Euromayday No Parade - 02.Mai 2015 - 19 Uhr Nordol

Keine Parade 2015 – Dafür Musik im Nordpol am 02.05

Posted: April 17th, 2015 | Author: | Filed under: euromayday | Kommentare deaktiviert für Keine Parade 2015 – Dafür Musik im Nordpol am 02.05

In 2015 wird keine Euromayday Parade im Ruhrgebiet stattfinden. Stattdessen organisieren einige Ehemalige der vielen Vorbereitungskreise einen Abend im Nordpol am 02.05.

Wir starten mit einer Lesung (tba) und im Anschluss gibt’s Cocktails zur Musik einiger DJ_anes der vielen Euromayday.

Im folgenden findet ihr eine Zusammenfassung der Entwicklung des Euromayday Ruhr seit 2010. Der Euromayday ist nicht tot, aber es braucht für 2016 eine re-organisation. Wer immer sich den Titel nimmt kann ihn haben. Kommt vorbei am 02.05 wenn ihr Ideen für 2016 hab.

Metropolenträume in der Provinz, oder wie alles begann…

»Wo das geht, geht alles«, verkünden selbstbewusst die Planer_innen der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010. Und dieser Optimismus bestimmt die gesamte Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld der Kulturhauptstadt. Er soll sich auf die Bewohner_innen des Ruhrgebiets übertragen, Lust auf Zukunft machen und sie alle beim großen Kulturfestival 2010 umarmen. Die Macher_innen der Kulturhauptstadt kommunizieren Euphorie. Doch die Rede von der „Metropole Ruhr“ klingt wie eine Beschwörungsformel, die nur oft genug wiederholt werden muss, um den Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen. Das Ruhrgebiet ist weit entfernt davon, eine urbane prosperierende Metropole zu werden. Daran wird auch das Projekt Kulturhauptstadt nichts ändern.

Die Entdeckung der Kreativwirtschaft

Mit der Kulturhauptstadt 2010 sind die Planer_innen des „Strukturwandels“ nun endgültig im Postfordismus angekommen. Sie propagieren »Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel«. Ein innovatives kulturelles Umfeldes soll als „weicher Standortfaktor“ gefördert werden und die neuen Wissensarbeiter_innen sowie die entsprechenden Firmen ins Ruhrgebiet locken. Umgekehrt soll die Abwanderung der als „kulturinteressiert“ identifizierten, qualifizierten Bevölkerungsgruppen verhindert werden. Damit ist auch die junge Medizintechnikabsolventin der Ruhr-Universität gemeint, die sich eher für elektronische Musik interessiert als für klassische Konzerte, nicht jedoch der Hartz-IV-Empfänger aus Bochum-Hamme. Denn der ist für den „Strukturwandel“ uninteressant.

Die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 bezieht sich positiv auf die Chancen der Wissensgesellschaft, einer Gesellschaft, die vollständig unter dem Kapitalverhältnis subsumiert ist. Im Diskurs um die richtige Strategie des „Strukturwandels“ präsentiert sich die Kulturhauptstadt 2010 mit einem ausgrenzenden und instrumentellen Kulturverständnis. Kultur dient lediglich als Werkzeug zur Wirtschaftsförderung, von der nur eine Minderheit profitieren wird. Öffentliche Kritik äußerte sich daran bisher lediglich als Warnung vor der Kommerzialisierung der Kunst. Um für die Kulturhauptstadt als strategisches Projekt des „Strukturwandels“ Akzeptanz zu schaffen und ihr Partizipationsversprechen glaubhaft erscheinen zu lassen, propagiert das konkrete Festivalprogramm „Kultur für alle“. Und tatsächlich scheint in dem großen Sammelsurium von Ereignissen der Kulturhauptstadt 2010 für alle etwas dabei zu sein, von bildender Kunst bis zur Bratwurstbude – auch für den Hartz-IV-Empfänger aus Bochum-Hamme.

Warum 2010?

Wir finden es wichtig, einen Kontrapunkt zum Wortgeklingel der Kulturhauptstadt zu setzen, die „Wandel durch Kultur“ verspricht, jedoch Kultur nur als Standortfaktor meint und Kreativität auf eine Geschäftsidee reduziert. Dabei wollen wir zeigen, dass die prekären Arbeitsverhältnisse in der Kultur- und Kreativwirtschaft mit den Problemen von Armut und Erwerbslosigkeit im Ruhrgebiet verbunden sind.

Warum Euromayday?

Der Euromayday hat einen Ort geschaffen, um die prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu thematisieren und Betroffene und Aktivist_innen in ihrer Unterschiedlichkeit zusammen zu bringen. Dies geschieht in Form einer Parade rund um den ersten Mai, aber auch im Jahresverlauf in Form eines Netzwerks, das sich in aktuelle Auseinandersetzungen einmischt. Die laute, bunte Tanzparade, die weitere verschiedene Aktionsformen ermöglicht, geht über die sonst üblichen Demonstrationsformen hinaus. Eine Parade ist eine Parade ist eine Parade. Sie ist keine Kampfdemonstration, sie ist kein Karnevalsumzug. Sie ist eine Menge von Menschen, die auf Straßen und Bürgersteigen unterwegs ist und Bilder produziert: sich selbst, die eigenen Lebensbedingungen, seine Nachbarschaften, seine Arbeit, seine Vorstellung vom Leben – es geht darum, das jeweils eigene ‚Sein‘ sicht- und hörbar machen. Eine Parade ist ein Ausbruch aus Gewohnheiten.

Made in Common – die Welt ist voller Reichtum und sie gehört uns allen!

Die Welt ist voller Reichtum! Und es sind die Menschen, die diesen Reichtum produzieren. Mit ihrem Wissen, das sie miteinander teilen, mit ihren Ideen und Leidenschaften, mit ihrer Arbeit. Doch über diesen Reichtum der Vielen bestimmen nur wenige, eignen ihn sich an und verknappen ihn künstlich. In diesem Sinne ist das Leben als solches heute produktiv geworden. Wenn das gesamte Leben zur Arbeit geworden ist, dann ist dieses Leben heute prekär.

Her mit dem schönen Leben!

Wenn das, was den Dingen ihren Wert gibt, in der gesamten Gesellschaft entsteht – im lebendigen Gemeinsamen – und Wissen und Kommunikation zu den wichtigsten produktiven Kräften werden, liegt es nahe, auch neue Formen von Einkommen und Teilhabe jenseits der Lohnarbeit zu fordern. Arbeiten und gleichzeitig zum Sozialamt gehen müssen, das darf nicht länger sein! Aus Angst vor Erwerbslosigkeit alles hinnehmen, auch Demütigung und Konkurrenz, darf nicht länger sein! Bedingungsloses Grundeinkommen wär’ schon mal was.

Öffentliche Gelder müssen allen Menschen, die hier leben, zu gute kommen! Kulturelle Infrastruktur muss in erster Linie soziale Infrastruktur sein! Dazu gehört ein Bildungssystem, das nicht selektiert, sondern fördert, ebenso wie ein schneller, bezahlbarer, öffentlicher Nahverkehr und eine umfassende Gesundheitsversorgung sowie die Finanzierung von z. B. Stadtteilzentren und Schwimmbädern!

Das Gemeinsame ist eine Ressource, auf die alle ein Anrecht haben. Das gilt auch transnational. Die Frage, was ein sinnvolles Gemeinwesen wäre, stellt sich auch auf europäischer Ebene. Der Bedrohung Griechenlands mit dem Staatsbankrott und der rassistischen Rhetorik von den „faulen Griechen“ stellen wir die Frage entgegen, wie eine tatsächlich solidarische Gemeinschaft innerhalb Europas und darüber hinaus aussehen könnte. In Deutschland würde niemand auf die Idee kommen, Mecklenburg-Vorpommern pleitegehen zu lassen und dort die DDR-Mark wieder einzuführen.

Alle Menschen sollen ihren Aufenthalts- und Wohnort frei wählen dürfen. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft, die mit patriarchalen und rassistischen Gewalt- und Herrschaftsverhältnissen bricht.

Kommt nach vorne!

Die Arroganz der Macht kotzt uns an und wir werden nicht müde, unsere Kritik und unsere Forderungen auf die Straße zu tragen. Unsere Lebens-, Lern- und Arbeitsverhältnisse sind genauso verschieden wie unsere Wünsche und Träume. Das Fehlen von Sicherheiten und Garantien ist uns gemeinsam: Ob wir als Künstler_innen oder Reinigungskraft arbeiten. Ob wir akut von einer Betriebsschließung bedroht oder schon erwerbslos sind. Ob wir neben dem Studium als DJ unterwegs sind oder als neue Selbständige unser unternehmerisches Selbst vor uns her treiben. Dieses negative Gemeinsame wollen wir, trotz all unserer Unterschiedlichkeit, zu einem positiven Gemeinsamen wenden lassen, zu einem Recht auf ein gutes Leben. Es wird Zeit, unser Leben zurückzufordern. Der Euromayday ist die Aufforderung an Euch, dieses positive Gemeinsame zum Schwingen und Tanzen zu bringen. Wir wollen den Zumutungen unseres Lebens unsere Wünsche und Forderungen entgegen stellen und eine große Party auf der Straße feiern. Der Euromayday ist eine Einladung, um gemeinsam zu kämpfen und zu feiern. Wir wollen kein Klagelied singen, sondern Vorschläge zu einem anderen Gebrauch des Lebens machen.

Tanz den Verhältnissen!

All dies ist uns fünf Jahre lang gut gelungen. Nun wollen wir uns neuen Projekten, neuen Formen des Protestes zuwenden. Fünf Jahre Euromayday Ruhr – Tanz den Verhältnissen, weil Kapitalismus immer noch scheiße ist!


Euromayday 2014 – Ja oder Nein? Wir laden ein.

Posted: Januar 3rd, 2014 | Author: | Filed under: euromayday | Kommentare deaktiviert für Euromayday 2014 – Ja oder Nein? Wir laden ein.

2014 startet, und schon im Dezember begann die Diskussionen im Euromayday-Vorbereitungskreis: Sollen wir’s nochmal machen oder nicht? Kommt vorbei und bringt euch ein (vor allem, wenn ihr meint, dass es sich lohnt)

Warum?

Der Euromayday soll ein Versuch sein, am 1. Mai eine andere Perspektive auf die Straße zu tragen. Die Perspektive derjenigen, die nicht vertreten werden vom Klüngel zwischen Gewerkschaften und Parteien, und auch derjenigen, die sich davon nicht vertreten lassen wollen. Es geht um diejenigen die in prekären Lebens- und Arbeitssituationen stecken, die keine Beachtung finden oder mit Absicht ausgegrenzt sind.

Dabei war und ist der Anspruch, dass der Euromayday keine kanalisierte Wut-Bürger_innen-Veranstaltung sein soll, sondern eine bunte Parade. Der Euromayday versucht mit der Form kurzer Interviews gepaart mit viel guter Musik das Konzept der Latsch-Demos zu überwinden und Protest mit Spass auf die Straße zu tragen. Dabei wurde er bisher von einem Bündnis aus Organisationen und Einzelpersonen gestaltet. Dieses Bündnis zu (re-)aktivieren ist das Ziel unseres ersten Treffens am 20. Januar 2014 im Taranta Babu.

Was war?

2013 fand der Euromayday zum vierten Mal im Ruhrgebiet statt. In Dortmund führt die Route vor allem durch die Innenstadt in den Norden, wo Arbeitsmigration, Armut aber auch der NSU-Mord thematisiert wurden. Die ausgedehnte Abschlusskundgebung auf dem Nordmarkt hat, nach einigen Auseinandersetzungen mit den Ordnungsbehörden, insbesondere Dank der musikalischen Begleitung durch die Leute von der Beatplantation viel Spaß gemacht.

Einen Bericht findet ihr hier.

Was wird?

Soll der Euromayday Ruhr nochmal stattfinden? Was lässt sich besser machen? Wo könnte man es besser machen? Wie lässt sich die Energie besser mitnehmen?

Nach ersten Diskussionen kam die Idee auf, dem Euromayday 2014 eine internationale Perspektive zu geben. Den Blick zu richten auf die Verläufe der Krisen in Europa – aber auch darüber hinaus.

Vier Monate stehen für die Vorbereitung zur Verfügung. Es gibt genug Möglichkeiten, sich auch mit Kleinigkeiten einzubringen. Habt ihr ne Meinung oder Lust den Euromayday zu gestalten?

20.01.2014 – 19 Uhr – Taranta Babu

Einen guten Start ins Jahr wünscht,
der Euromayday Ruhr Vorbereitungskreis


UmFairteilen reicht nicht!

Posted: September 12th, 2013 | Author: | Filed under: euromayday | 2 Comments »

aus einem kritischen Flugblatt zur „umfairteilen“ Demo am 14.9. in Bochum.

Wir müssen reden…

…weil Kapitalismus schon immer scheiße ist & UmFairteilen nicht ausreicht! Diese Krise macht wieder einmal deutlich, dass Kapitalismus und dauerhafter allgemeiner Wohlstand einfach nicht zusammen gehen.

Besonders Deutschland hat die Kosten und Auswirkungen der Krise lange auf andere abgewältzt. Es wird mit reichlich Stolz auf den eigenen Verzicht der nationale Standort verteidigt. Hierfür werden gerne Arbeitszeitverlängerungen, Nullrunden und andere Einschnitte in Kauf genommen.

Doch die Krise kommt auch in Deutschlang an. Nun stellen auch diejenigen, die sich der oben beschriebenen Wohlstands-Illusion über Jahrzehnte bequem hingaben fest, dass der Wohlfahrtsstaat im Kapitalismus auf Dauer keinen Platz hat.
 

Kapitalismus heißt Krise

Mitten in der Krise ruft ein UmFairteilen-Bündnis den Staat zur Hilfe, er möge Reiche höher besteuern. Es wird an die Parteien und politischen Spektren appelliert, die Hartz IV und andere Schweinereien eingeführt haben, sie mögen den Klassenkampf von oben doch etwas sozial verträglicher führen.

Dabei werden grundsätzliche Problematiken, interessante Forderungen und mögliche Handlungsweisen erst gar nicht betrachtet: Die Verteilung von gesellschaftlicher Macht, die Rolle des Staates, die Forderung nach freien Migrationsbewegungen und vor allem mögliche Widerstandsformen gegen Verarmung und eine autoritäre Krisenpolitik!

Der ständige brutale Angriff und die Zerstörung sozialer Garantien und demokratischer Rechte hat vor allem zum Ziel das System Kapitalismus zu sanieren um dessen vorherige Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Daran ändert auch eine Vermögenssteuer nichts.

Wir müssen handeln…

…weil wir es unerträglich finden, denjenigen die Wähler*innen zu organisieren, die Hartz IV & Co eingeführt, Kriege begründet, das Asylrecht abgeschafft haben und alles dafür tun, den Kapitalismus zu sanieren.

Unsere Ansätze gehen in eine andere Richtugn. Wir wollen soziale Kämpfe gegen eine Verarmungs- und Privatisierungspolitik europa- und weltweit solidarisch zu führen und miteinander solidarisch zu handeln.

Dazu sollten wir uns öffentlich Plätze wieder aneignen, sie besetzen, Zwangsräumungen verhindern, Stromsperren umgehen, Großdemonstrationen, Selbstverwaltung- und Selbsthilfe organisieren, die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen laut werden lassen, eine solidarische Ökonomie und Generalstreik praktisch werden lassen.

Umverteilen reicht nicht – lasst uns handeln


Euromayday Ruhr 2013 – Rückblick und Zusammenfassung

Posted: Mai 6th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | 2 Comments »

„Kommt nach vorne!“ – unter diesem Motto fand am Samstag, den 04. Mai, der Euromayday Ruhr 2013 statt. Etwa 700 Teilnehmer_innen waren dem Aufruf gefolgt und haben auf der bunten Parade ihrem Frust Luft gemacht und Forderungen nach einem besseren Leben auf die Straße gebracht. Gemeint sind mit dem Motto all diejenigen, die sich in unsicheren Lebens- und Arbeitsbedingungen befinden, die oft Unsichtbaren unserer Gesellschaft.

Die Parade zog am vergangenen Samstag bei sonnigem Wetter und mit guter Stimmung vom Dortmunder U durch die Kampstraße, um dann nach einem Schwenk durch die Dortmunder Nordstadt in einem Fest auf dem Nordmarkt zu enden.

Auf der Strecke wurden viele unterschiedliche Aspekte von unsicheren Lebens- und Arbeitsbedingungen in kurzen Interviews thematisiert. Den Anfang machte Bastian Pütter von Bodo e. V., der die Probleme der Arbeitsmigranten und -migrantinnen aus Südost-Europa erläuterte. Er berichte von den Anfeindungen und Vorurteilen, die diesen Menschen immer noch entgegengebracht werden. „Es gab erhebliche Kritik, als zum ersten Mal Menschen, die dieser Gruppe zugeordnet wurden, die Bodo-Straßenzeitung verkauft haben“, berichtet Pütter. So wird die Diskriminierung, die viele Menschen in der Heimat erfahren, hier fortgesetzt und ein Mangel an Hilfsangeboten verhindert, dass die Situation der Menschen sich hier verbessert. Eines dieser Hilfsangebote, die Kana Suppenküche, war ebenfalls beim Euromayday vor Ort. Im Interview beschrieb ein Vertreter, wie in den vergangenen Jahren und seit Ausbruch der Finanzkrise die Zahl der Menschen, die die Suppenküche aufsuchen, stetig anstieg. „Insbesondere zum Monatsende, wenn bei vielen das zu knapp bemessene Hartz-IV-Geld aufgebraucht ist, sind viele auf die Suppenküche angewiesen“, so einer der Organisatoren der Küche. Wunsch der Organisator_innen ist aber nicht eine bessere Ausstattung der Hilfsangebote, sondern vielmehr eine bessere Ausstattung und Unterstützung für die Hilfsbedürftigen selbst, so dass langfristig eine Suppenküche nicht mehr nötig wäre.

Beim ersten Stopp vor der Commerzbank auf der Kampstraße gab es ein Interview mit Blockupy, einer Gruppe, die zu Protesten gegen die Krisenpolitik in Europa aufruft und für den 30. Mai und 01. Juni Blockaden und Veranstaltungen in Frankfurt am Main plant.
Ebenfalls an der Kampstraße interviewt wurde eine Mitarbeiterin von Madonna e. V., die in Bochum mit Prostituierten arbeitet und seit langem die Entwicklung um den Dortmunder Straßenstrich verfolgt. „Die Arbeitsbedingungen für Prostituierte in Dortmund haben sich seit der Schließung des Straßenstrichs erheblich verschlechtert“, betont die Mitarbeiterin. „Statt des festen Ortes, an dem sich auch Hilfsprojekte etabliert hatten, sind die Frauen nun wieder in Hinterzimmern den Freiern und Zuhältern vollständig ausgeliefert.“

Der letzte Stopp der Demonstration fand auf der Mallinckrodtstraße statt. Vor dem Kiosk, in dem 2006 Mehmet Kubaşık von den Rechtsterroristen des NSU umgebracht wurde, wurde eine Antifa-Aktivistin interviewt. Sie begrüßte, dass die Stadt etwa einen Gedenkstein auf der Mallinckrodtstraße installiert hat, kritisierte aber gleichzeitig, dass beispielsweise der Mord an Thomas „Schmuddel“ Schulz durch den Neonazi Sven Kahlin immer noch nicht als rechte Gewalt anerkannt ist. Der Stadt Dortmund warf sie vor, antifaschistische Arbeit, die schon seit vielen Jahren auf die Gefahr von Rechts hinweist, weiterhin zu behindern, wie etwa am 1. Mai, als eine antifaschistische Demonstration zwei Stunden lang von der Polizei gegängelt wurde. Im Anschluss an das Interview setzte der Zug mit einer Schweigeminute für Mehmet Kubaşık seinen Weg fort.

Am Nordmarkt angekommen, kam noch eine Vertreterin der Nordstadt-Initiative Nordpol zu Wort. Diese Initiative versucht gerade, im Dortmunder Norden ein alternatives Veranstaltungszentrum zu etablieren.

Begleitet wurde die Parade von vier Sound-Systems: Wagen, die mit unterschiedlicher Musik für gute Stimmung auf der Euromayday gesorgt haben. Neben einem Euromayday-Bündniswagen war die Beatplantation aus Oberhausen mit einem eigenen Wagen unterwegs. Eine Live-Band aus dem Umfeld des Netzwerk-X unterhielt von der Ladefläche eines Transporters mit experimenteller Musik. Zum ersten Mal dabei war auch ein nicht‑motorisiertes Soundsystem, organisiert von der VeloKitchen Dortmund, das auf zwei Fahrrädern für gute Stimmung sorgte.

Für einen negativen Beigeschmack bei der gesamten Veranstaltung sorgte lediglich die Polizei, die in Dortmund nach dem Motto „Demonstrieren darf keinen Spaß machen“ zu agieren scheint. Die allseits gute Stimmung wurde wiederholt durch die Suche der Polizei nach Alkohol konsumierenden Gästen getrübt. In diesem Zusammenhang kam es in einer Seitenstraße zu einem erschreckenden Vorfall. Fernab der Kameras, die die Veranstaltung begleiteten, wurden zwei Menschen von einer Gruppe Polizisten ohne Vorwarnung verprügelt und aus sehr kurzer Entfernung mit Pfefferspray besprüht. Die Betroffenen mussten mit Verdacht auf Knochenbrüche und Augenverletzungen ambulant behandelt werden. „Dass die Polizei die medizinische Erstversorgung engagierten AnwohnerInnen und Passant_innen überlassen hat, ist ein Skandal“, so Stefanie Köppler, Mitorganisatorin des Euromayday.
Während der Rest der Stadt ein kühles Bier bei strahlendem Sonnenschein mit Fußballvorfreude verbinden konnte, war es den Teilnehmer_innen des Euromayday unter Strafandrohung untersagt, eben das zu tun.

Dennoch ließen sich die Teilnehmenden die Stimmung durch die Polizei nicht verderben und genossen Sonne, Politik und gute Laune auf dem Euromayday 2013. Bis 22 Uhr verweilten die Teilnehmer_innen der Parade noch auf dem Nordmarkt und feierten zusammen mit Anwohner_innen – nicht ohne weiterhin die Transparente und Plakate hochzuhalten. Demonstrieren kann eben doch Spaß machen!


Aufruf zum Euromayday-Ruhr 2013

Posted: April 12th, 2013 | Author: | Filed under: euromayday | Kommentare deaktiviert für Aufruf zum Euromayday-Ruhr 2013

»Kommt nach vorne!« *

  • Weil wir keine Lust haben, für Wohnen u. Strom immer mehr Geld auszugeben.
  • Weil wir genug davon haben, von Erwerbsarbeit nicht leben zu können, uns von Behörden drangsalieren zu lassen, gedemütigt und erpresst zu werden.
  • Weil uns ein Bildungssystem zuwider ist, das von den Personalabteilungen der Unternehmen bestimmt wird und bei dem Geld entscheidet, wer wohin kommt.
  • Weil wir kein Europa wollen, in dem das Kürzungsdiktat zum Wohl von wenigen immer mehr Menschen in Armut und Prekarisierung zwingt.
  • Weil wir keine Grenzen wollen, an denen fliehende Menschen auf Verwertbarkeit überprüft werden: Menschen sollen bleiben können, überall.
  • Weil im Kapitalismus Menschen als Ware gelten.

Um es kurz zu machen: Weil Kapitalismus immernoch scheiße ist.

Dagegen wollen wir gemeinsam den Euromayday mit Leben füllen, unsere Vorstellung des Zusammenlebens sichtbar werden lassen und unsere Forderungen und Utopien auf die Straße bringen.

  • Gemeingüter wie Strom, Wasser, Verkehrsmittel und Wohnen, Kultur und Bildung müssen allen zugänglich sein.
  • Wenn die Bürokratie nervt: Demokratisieren statt privatisieren!
  • Es ist Zeit, gegen die Privatisierung der Städte Widerstand zu leisten. Die Stadt gehört uns allen.
  • Alle sind willkommen, ob aus den Ländern des Südens, aus Südosteuropa oder Uecker-Randow. Sozialschnüffler und Private Security gehen gar nicht. Nazis auf den Mond!
  • Arbeiten und gleichzeitig zum Sozialamt gehen müssen darf nicht länger sein! Aus Angst vor Erwerbslosigkeit alles hinnehmen, auch Demütigung und Konkurrenz, darf nicht länger sein! Bedingungsloses Grundeinkommen wär’ schon mal was.
  • So lässt sich die Grundlage legen für ein solidarisches Zusammenleben jenseits von Grenzen. Für eine Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann.

Kommt zum Euromayday und bringt eure Ideen, Forderungen und Utopien mit!


Das diesjährige Motto des Euromayday »Kommt nach vorne!« ist eine Anspielung auf die skandalöse, beweislose Verurteilung von Tim H. in Dresden. Tim H. wird vorgeworfen 2011 bei den Proteste gegen den Naziaufmarsch in Dresden den Durchbruch durch eine Polizeisperre koordiniert zu haben – unter anderem mit den Worten »Kommt nach vorne!«. Dafür wurde er jetzt zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt – ohne Bewährung!

Beim Euromayday Ruhr 2013 steht »Kommt nach vorne!« zugleich als Aufforderung an alle Prekarisierten mit ihren Forderungen nach einem besseren Leben gemeinsam sichtbar zu werden und die Vereinzelung zu überwinden.


Aufruf unterstützen; Bei der Vorbereitung helfen: Hinweise unter Mitmachen


Vollversammlung zum Euromayday-Ruhr 2013

Posted: April 2nd, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | Kommentare deaktiviert für Vollversammlung zum Euromayday-Ruhr 2013

Wir versuchen dieses Jahr was neues. Weil unsere häufigen Treffen von vielen nicht wahrgenommen werden können, wir aber gerne mehr Menschen und Gruppen in den Euromayday Ruhr einbinden wollen, laden wir zur alle, die mitmachen wollen, zur Vollversammlung für den diesjährigen Euromayday ein:

Sonntag, 7. April // 17.30 Uhr // Bhf Langendreer // Bochum

Wir werden dort berichten, wie der Stand der Vorbereitungen ist, also Aufruf vorstellen, Plakat, Route, … . Zur Erinnerung der Euromayday wird in Dortmund stattfinden und wegen dem zu verhindernden Naziaufmarsch diesmal am 4. Mai.

Zusammen mit euch wollen wir über Redebeiträge und Aktionen auf dem / am Rande des Euromayday(s) nachdenken. Wer von euch möchte auf der Parade was sagen, habt ihr Ideen für Aktionen? Und, wer will und kann noch Mobiveranstaltungen, – aktionen und Parties für den Euromayday 2013 organisieren? Wer kann beim Material verteilen helfen? Wer möchte auf der Parade auflegen oder hat Lust direkt nach der Parade ein Cafe für die Teilnehmer/innen zum Quatschen… zu organisieren?

Es gibt also viele Möglichkeiten der Beteiligung. Wir freuen uns über eure Teilnahme und eure Ideen.

Bis Sonntag
die Euromayday Ruhr-Crew

Weitere Termine zum Vormerken:

  • Montag, 15. April.: nächstes Treffen im Taranta Babu
  • Samstag 27. April: Basteltag für den Euromayday (vorauss. im SZ Bochum)

4. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Posted: März 19th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | Kommentare deaktiviert für 4. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Die Planungen für den Euromayday Ruhr 2013 schreiten voran.

Sicher ist: Die Parade wird dieses Jahr am 4. Mai nach Dortmund zurückkehren. Der Aufruf für die Parade ist fast fertig (wer den derzeitigen Stand sehen will, mailt uns einfach). Wofür bis zum kommenden Montag noch Ideen gesucht werden, ist ein Motto für dieses Jahr.

Auf dem vierten Treffen am Montag 25.3. (19.30 Uhr) im Taranta Babu in Dortmund werden wir über die Route beraten, Redebeiträge besprechen und die künstlerische Ausgestaltung der Parade mit Aktionen und Musik besprechen. Vorschläge und Tipps sind dafür sehr willkommen.

Wer uns zu einer Mobiveranstaltung einladen will, sagt einfach bescheid. Auch Soli-Abende sähen wir gerne. Flyer und Plakate gibt es übrigens ab Anfang April, wo ihr den Kram dann bekommen könnt erfahrt ihr später hier.

Weitere Termine zum Vormerken:

  • Samstag, 30.3. / verm. 14 Uhr Nachmittags-Workshop zur Planung von Aktionen und Inhalten für den Euromayday (voraussichtlich im SZ Bochum)
  • Sonntag 7.4. / 17.30: VV für alle den Euromayday mit Infos und Ideen zur Parade (Bhf Langendreer)

3. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Posted: März 8th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | Kommentare deaktiviert für 3. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Auf dem zweiten Euromayday Treffen haben die verschiedene Antworten und Textfragmente diskutiert. Diese wie angedacht zur Collage zusammenzufassen, scheint nicht ganz einfach. Aktuell fehlt uns auch noch ein Motto. Es hat sich schließlich eine kleine Gruppe gebildet, die einen Text mit Fragmente/Sprüchen/Forderungen bis zum Treffen am Montag erstellt. Wir alle sind aufgefordert uns spätestens bis zum nächsten Treffen ein motivierendes Motto auszudenken.

Zur thematischen Zuspitzung wäre es gut, wenn einzelne Gruppen /Einzelpersonen zu konkreten Forderungen Texte erstellen, die als Aufruffür den Euromayday wirken und / oder sich Akionen für die Parade oder davor ausdenken.

Über die Ort der diesjährigen Parade haben wir noch nicht endgültig entschieden. Bochum wäre möglich, weil die meisten Euromayday Aktiven hier wohnen. Alternativ wäre Dortmund spannend, weil dort viele Konflikte sichtbarer sind. Allerdings wissen wir nicht, ob das lokale Aktivist*innen dort wegen dem Naziaufmarsch am 1.Mai nicht schon zu stark eingebunden sind. Wir bräuchten vor Ort Gruppen, die in die Orga der Parade einsteigen. Bisher sind dies zu wenige. Zusätzlich gab es die Idee die Parade in Essen zumachen. Auch hier gilt, dass wir bisher zu wenig Kontakte in die Stadt haben. Nun sind wir alle aufgefordert Gruppen und Zusammenhänge aus Dortmund und Essen konkret auf ihre Mitarbeit anzusprechen. Wenn die auf den Euromayday Ruhr Lust haben, sind sie verschärft eingeladen zum näxten Treffen zu kommen.

Das Treffen findet am 11.März um 19.30 Uhr im Taranta Babu in Dortmund statt

P.S.: zur Erinnerung, wir haben schon die Termine für die weiterenVorbereitungstreffen vereinbart. 25.03., 8.04., 22.04., 29.04. Am 30.3.planen wir noch ein längeres Samstagstreffen, um nochmal inhaltlich zudiskutieren und uns Aktionsideen auszudenken.


2. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Posted: Februar 19th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | Tags: | Kommentare deaktiviert für 2. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Nachdem sich eine Gruppe Aktiver im Januar entschieden hat auch 2013 den Euromayday Ruhr am 4. Mai zu veranstalten (worüber schon der Coolibri und derWesten berichtet haben) hat nun am 11. Februar hat das erste inhaltliche Vorbereitungstreffen stattgefunden. Diskutiert wurde über mögliche Schwerpunkte für die diesjährige Parade. In Stichpunkten ging es um: Utopien statt Forderungen, Internationalistische Ausrichtungen, Lokal- und Regionalbezug wozu wir direkte Ideen formulieren, Debatten anstoßen wollen.

Wir haben uns schließlich überlegt, Themen und unserem Aufruf in diesem Jahr mal etwas anders nähern wollen. Ihr alle seid eingeladen, einen kurzen Text, ein Statement oder einen Baustein zu schreiben, der auf folgende Fragen eine Antwort gibt:

  • Was ist dir wichtig für einen Euromayday 2013?
  • Welche Themen möchtest du behandeln und warum?
  • Gibt es einen Stadt, die du präferierst und warum?

Wir freuen uns, wenn ihr schon vor dem Treffen viele Ideen, Statements und Texte an uns gemailt werden. Wenn du nur zu einzelner dieser Fragen was sagen möchtest, ist das natürlich auch möglich. Alle gesammelten Texte werden wir auf unserem nächsten Treffen betrachten, diskutieren und möglicherweise darüber unser Thema rausfinden und unseren Aufruf basteln.

2.Treffen für den Euromayday:
Montag, 25.2. / 19.30 Uhr
1.Vorbereitungstreffen für den Euromayday Ruhr 2013
Ort: Bhf Langendreer

Weitere Termine sind: 11.03., 25.03., 8.04., 22.04., 29.04. (bis auf weiteres im Bhf Langendreer immer um 19.30). Am 30.3. planen wir noch ein längeres Samstagstreffen, um nochmal inhaltlich zu
diskutieren und uns Aktionsideen auszudenken).


1. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Posted: Februar 5th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | Kommentare deaktiviert für 1. Vorbereitungstreffen zum Euromayday 2013

Die Euromayday-OrgaGruppe vom letzten Jahr hatte am vergangenen Montag eingeladen, um zu diskutieren, wieviel Interesse es an einem Euromayday Ruhr 2013 gibt. Zuletzt war der Vorbereitungskreis etwas zusammengeschrumpft. Erfreulicherweise fühlten sich über 30 Menschen angesprochen, die am Treffen teilnahmen. Die Stimmung für einen Euromayday auch in diesem Jahr war eindeutig. Länger diskutiert wurde, ob der Euromayday eingebunden in die Proteste gegen einen Naziaufmarsch,
der am 1.Mai in Dortmund droht, eingebunden werden könnten. Das wurde insgesamt kritisch bewertet, weil an so einem Tag andere Inhalte untergehen würden. Entschieden wurde schliesslich, sich an den Protesten gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen, den eigentlichen Euromayday aber auf den 4. Mai zu verlegen.

Die Planung dafür startet nun am 11. Februar. Wir laden euch ein, euch an dem Abend an den Vorbereitungen zu beteiligen. Zu klären ist auf dem Treffen inhaltliche Schwerpunkte (eine Klammer, die die vielfältigen Kämpfe verbindet wäre wieder gut), Vorfeldaktionen (wurden immer schon angedacht, hatte bis jetzt leider nicht geklappt), Aktionsideen, Logovorschläge… und ein Ort für den Euromayday. Wir freuen uns auf eure Ideen und eure Beteiligung.