Euromayday No Parade - 02.Mai 2015 - 19 Uhr Nordol

Euromayday Ruhr 2013 – Rückblick und Zusammenfassung

Posted: Mai 6th, 2013 | Author: | Filed under: 2013, euromayday | 2 Comments »

„Kommt nach vorne!“ – unter diesem Motto fand am Samstag, den 04. Mai, der Euromayday Ruhr 2013 statt. Etwa 700 Teilnehmer_innen waren dem Aufruf gefolgt und haben auf der bunten Parade ihrem Frust Luft gemacht und Forderungen nach einem besseren Leben auf die Straße gebracht. Gemeint sind mit dem Motto all diejenigen, die sich in unsicheren Lebens- und Arbeitsbedingungen befinden, die oft Unsichtbaren unserer Gesellschaft.

Die Parade zog am vergangenen Samstag bei sonnigem Wetter und mit guter Stimmung vom Dortmunder U durch die Kampstraße, um dann nach einem Schwenk durch die Dortmunder Nordstadt in einem Fest auf dem Nordmarkt zu enden.

Auf der Strecke wurden viele unterschiedliche Aspekte von unsicheren Lebens- und Arbeitsbedingungen in kurzen Interviews thematisiert. Den Anfang machte Bastian Pütter von Bodo e. V., der die Probleme der Arbeitsmigranten und -migrantinnen aus Südost-Europa erläuterte. Er berichte von den Anfeindungen und Vorurteilen, die diesen Menschen immer noch entgegengebracht werden. „Es gab erhebliche Kritik, als zum ersten Mal Menschen, die dieser Gruppe zugeordnet wurden, die Bodo-Straßenzeitung verkauft haben“, berichtet Pütter. So wird die Diskriminierung, die viele Menschen in der Heimat erfahren, hier fortgesetzt und ein Mangel an Hilfsangeboten verhindert, dass die Situation der Menschen sich hier verbessert. Eines dieser Hilfsangebote, die Kana Suppenküche, war ebenfalls beim Euromayday vor Ort. Im Interview beschrieb ein Vertreter, wie in den vergangenen Jahren und seit Ausbruch der Finanzkrise die Zahl der Menschen, die die Suppenküche aufsuchen, stetig anstieg. „Insbesondere zum Monatsende, wenn bei vielen das zu knapp bemessene Hartz-IV-Geld aufgebraucht ist, sind viele auf die Suppenküche angewiesen“, so einer der Organisatoren der Küche. Wunsch der Organisator_innen ist aber nicht eine bessere Ausstattung der Hilfsangebote, sondern vielmehr eine bessere Ausstattung und Unterstützung für die Hilfsbedürftigen selbst, so dass langfristig eine Suppenküche nicht mehr nötig wäre.

Beim ersten Stopp vor der Commerzbank auf der Kampstraße gab es ein Interview mit Blockupy, einer Gruppe, die zu Protesten gegen die Krisenpolitik in Europa aufruft und für den 30. Mai und 01. Juni Blockaden und Veranstaltungen in Frankfurt am Main plant.
Ebenfalls an der Kampstraße interviewt wurde eine Mitarbeiterin von Madonna e. V., die in Bochum mit Prostituierten arbeitet und seit langem die Entwicklung um den Dortmunder Straßenstrich verfolgt. „Die Arbeitsbedingungen für Prostituierte in Dortmund haben sich seit der Schließung des Straßenstrichs erheblich verschlechtert“, betont die Mitarbeiterin. „Statt des festen Ortes, an dem sich auch Hilfsprojekte etabliert hatten, sind die Frauen nun wieder in Hinterzimmern den Freiern und Zuhältern vollständig ausgeliefert.“

Der letzte Stopp der Demonstration fand auf der Mallinckrodtstraße statt. Vor dem Kiosk, in dem 2006 Mehmet Kubaşık von den Rechtsterroristen des NSU umgebracht wurde, wurde eine Antifa-Aktivistin interviewt. Sie begrüßte, dass die Stadt etwa einen Gedenkstein auf der Mallinckrodtstraße installiert hat, kritisierte aber gleichzeitig, dass beispielsweise der Mord an Thomas „Schmuddel“ Schulz durch den Neonazi Sven Kahlin immer noch nicht als rechte Gewalt anerkannt ist. Der Stadt Dortmund warf sie vor, antifaschistische Arbeit, die schon seit vielen Jahren auf die Gefahr von Rechts hinweist, weiterhin zu behindern, wie etwa am 1. Mai, als eine antifaschistische Demonstration zwei Stunden lang von der Polizei gegängelt wurde. Im Anschluss an das Interview setzte der Zug mit einer Schweigeminute für Mehmet Kubaşık seinen Weg fort.

Am Nordmarkt angekommen, kam noch eine Vertreterin der Nordstadt-Initiative Nordpol zu Wort. Diese Initiative versucht gerade, im Dortmunder Norden ein alternatives Veranstaltungszentrum zu etablieren.

Begleitet wurde die Parade von vier Sound-Systems: Wagen, die mit unterschiedlicher Musik für gute Stimmung auf der Euromayday gesorgt haben. Neben einem Euromayday-Bündniswagen war die Beatplantation aus Oberhausen mit einem eigenen Wagen unterwegs. Eine Live-Band aus dem Umfeld des Netzwerk-X unterhielt von der Ladefläche eines Transporters mit experimenteller Musik. Zum ersten Mal dabei war auch ein nicht‑motorisiertes Soundsystem, organisiert von der VeloKitchen Dortmund, das auf zwei Fahrrädern für gute Stimmung sorgte.

Für einen negativen Beigeschmack bei der gesamten Veranstaltung sorgte lediglich die Polizei, die in Dortmund nach dem Motto „Demonstrieren darf keinen Spaß machen“ zu agieren scheint. Die allseits gute Stimmung wurde wiederholt durch die Suche der Polizei nach Alkohol konsumierenden Gästen getrübt. In diesem Zusammenhang kam es in einer Seitenstraße zu einem erschreckenden Vorfall. Fernab der Kameras, die die Veranstaltung begleiteten, wurden zwei Menschen von einer Gruppe Polizisten ohne Vorwarnung verprügelt und aus sehr kurzer Entfernung mit Pfefferspray besprüht. Die Betroffenen mussten mit Verdacht auf Knochenbrüche und Augenverletzungen ambulant behandelt werden. „Dass die Polizei die medizinische Erstversorgung engagierten AnwohnerInnen und Passant_innen überlassen hat, ist ein Skandal“, so Stefanie Köppler, Mitorganisatorin des Euromayday.
Während der Rest der Stadt ein kühles Bier bei strahlendem Sonnenschein mit Fußballvorfreude verbinden konnte, war es den Teilnehmer_innen des Euromayday unter Strafandrohung untersagt, eben das zu tun.

Dennoch ließen sich die Teilnehmenden die Stimmung durch die Polizei nicht verderben und genossen Sonne, Politik und gute Laune auf dem Euromayday 2013. Bis 22 Uhr verweilten die Teilnehmer_innen der Parade noch auf dem Nordmarkt und feierten zusammen mit Anwohner_innen – nicht ohne weiterhin die Transparente und Plakate hochzuhalten. Demonstrieren kann eben doch Spaß machen!


2 Comments on “Euromayday Ruhr 2013 – Rückblick und Zusammenfassung”

  1. 1 euromayday said at 10:37 on Mai 6th, 2013:

    Wer noch Fotos von der Veranstaltung hat und die gerne veröffentlichen möchte sendet doch bitte eine Mail an euromayday /et/ riseup.net

  2. 2 LabourNet Germany: Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskritisch » Euromayday Ruhr 2013 said at 11:16 on Mai 6th, 2013:

    […] Euromayday Ruhr 2013 – Rückblick und Zusammenfassung „Kommt nach vorne!“ – unter diesem Motto fand am Samstag, den 04. Mai, der Euromayday Ruhr 2013 statt. Etwa 700 Teilnehmer_innen waren dem Aufruf gefolgt und haben auf der bunten Parade ihrem Frust Luft gemacht und Forderungen nach einem besseren Leben auf die Straße gebracht. Gemeint sind mit dem Motto all diejenigen, die sich in unsicheren Lebens- und Arbeitsbedingungen befinden, die oft Unsichtbaren unserer Gesellschaft…“ Pressemitteilung des Organisationsteams des Euromayday Ruhr 2013 vom 06.05.2013 […]