Euromayday No Parade - 02.Mai 2015 - 19 Uhr Nordol

Aufruf zum Euromayday-Ruhr 2010

Posted: April 21st, 2010 | Author: | Filed under: > aufruf, 2010, euromayday | Kommentare deaktiviert für Aufruf zum Euromayday-Ruhr 2010

Aufruf zum Euromayday am 1. Mai 2010 in Dortmund
call in english
appel en français
Türk çağır

Hast Du bezahlte Arbeit? Kannst Du davon leben? Hast Du freie Zeit? Was kannst Du Dir leisten? Kannst Du Dein Leben selbst bestimmen? Was wünscht Du Dir? Was machst Du im Alter?

Wir haben die Nase voll! Her mit dem schönen Leben – ohne Angst und Unsicherheit, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, hier und überall! Der 1. Mai ist unser Tag, um gemeinsam als Parade laut und sichtbar zu sein und unseren Wünschen Ausdruck zu verleihen. Der EuroMayDay ist eine Einladung, um gemeinsam mit anderen zu handeln, zu kämpfen und zu feiern!

Immer mehr Menschen werden Ansprüche und Garantien genommen. Sie werden in unsichere Lebensverhältnisse abgedrängt. Mittlerweile arbeiten bereits ein Drittel aller Beschäftigten unter prekären Bedingungen, das heißt in Leiharbeit, in Minijobs, in befristeten Arbeitsverhältnissen, in mies oder gar nicht bezahlten Praktika, als Ich-AG oder als papierlose MigrantInnen ohne jeglichen Schutz. Besonders in den Bereichen Pflege, Hausarbeit und Einzelhandel arbeiten zumeist Frauen, die angesichts der geringen Löhne und der niedrigen Stundenzahlen kein existenzsicherndes Einkommen erhalten. Diese Prekarisierung und der radikalisierte Wettbewerb setzen auch die so genannten Stammbelegschaften unter Druck. Allein die Anwesenheit von LeiharbeiterInnen in einem Betrieb wirkt (lohn)disziplinierend.

Wir sollen mehr arbeiten und weniger verdienen. Die Bedrohung mit Armut und Ausschluss soll uns gefügig machen, niemand sich sicher fühlen. Das entwürdigende Regime der Hartz-Gesetze erzeugt Angst. Die Entrechtung und Gängelung der Erwerbslosen mit 1-Euro-Jobs, Vorladungen, Hausdurchsuchungen oder Zwangsumzügen wird begleitet von einer widerlichen Missbrauchsdebatte, die ausgrenzen und isolieren soll.

Nach dem Ende von Kohle und Stahl ist diese Situation besonders hier im Ruhrgebiet zu spüren. Die Kommunen sind pleite und leiden unter einer hohen, verfestigten Erwerbslosigkeit. Umfassende Sparprogramme sollen jetzt helfen die Haushalte zu sanieren. Wie üblich wird dabei besonders im sozialen und soziokulturellen Bereich gespart.

Mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010 soll der sterbende Dinosaurier Ruhrgebiet zu neuem Leben erweckt werden. Kultur wird zum Standortfaktor und Kreativität auf eine Geschäftsidee reduziert. Gerade der von der Kulturhauptstadt so gefeierte Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft ist das Modell eines stark prekarisierten Arbeitsmarktes. Er wird bestimmt von Zeitverträgen und unsicheren, selbstständigen Arbeitsverhältnissen.

Die Politik bastelt an Prestige-Projekten, wie z.B. dem Bau eines neuen Konzerthauses in Bochum oder dem Dortmunder U-Turm als Zentrum für Kunst und Kreativität. Von der Mehrheit der BewohnerInnen, die das Zeitalter von Kohle und Stahl hier zurückgelassen hat, haben sich die Verantwortlichen längst verabschiedet. Diese Mehrheit der BewohnerInnen wird von diesen Projekten des sogenannten Strukturwandels nicht profitieren.

Öffentliche Gelder müssen allen Menschen, die hier leben, zugute kommen! Kulturelle Infrastruktur muss in erster Linie soziale Infrastruktur sein! Dazu gehört ein Bildungssystem, das nicht selektiert sondern fördert, ebenso wie ein schneller, bezahlbarer, öffentlicher Nahverkehr und eine umfassende Gesundheitsversorgung sowie die Finanzierung von z.B. Stadtteilzentren und Schwimmbädern! Diese Gemeingüter gehören uns allen!

Wir bleiben nicht bei der Verteidigung der Gemeingüter stehen, sondern wissen, dass allen Menschen ein ausreichendes Einkommen zusteht. Alle Menschen sollen ihren Aufenthalts- und Wohnort frei wählen dürfen. Wir wollen eine solidarische Gesellschaft, die mit patriarchalen und rassistischen Gewalt- und Herrschaftverhältnissen bricht.

Deshalb weisen wir jegliche rassistische und nationalistische Spaltung zurück. Rechte Parteien schüren den sozialen Neid und finden auch bei Teilen der bürgerlichen Mitte Unterstützung mit Kampagnen für einen Sozialstaat und Mindestlohn nur für „Volksgenossen“. Unter den Slogans „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ wird Rassismus verbreitet. Die Angriffe von Neonazis gegen MigrantInnen und politische GegnerInnen nehmen zu, in den letzten Jahren wurden in Dortmund sogar mehrere Menschen von Neonazis ermordet. Die 1. Mai-Demo des DGB wurde im letzten Jahr von Neonazis angegriffen. Es geht also auch darum Dortmund ein anderes Gesicht zu geben und Solidarität zu leben.

Das Fehlen von Sicherheiten und Garantien ist uns gemeinsam: Ob wir als KünstlerInnen oder Reinigungskraft arbeiten. Ob wir akut von einer Betriebsschließung bedroht oder schon erwerbslos sind. Ob wir neben dem Studium als DJ unterwegs sind oder als neue Selbständige unser unternehmerisches Selbst vor uns her treiben. Dieses negative Gemeinsame wollen wir, trotz all unserer Unterschiedlichkeit, zu einem positiven Gemeinsamen wenden, zu einem Recht auf ein gutes Leben. Der EuroMayDay ist die Aufforderung an Euch, dieses positive Gemeinsame zum Schwingen und Tanzen zu bringen. Das meinen wir durchaus wörtlich. Wir wollen dem Wortgeklingel der Kulturhauptstadt und den Zumutungen unseres Lebens unsere Wünsche und Forderungen entgegen stellen und eine große Party auf der Straße feiern.

»Mayday, Mayday« ist das Signal, welches in Seenot geratene Schiffe aussenden. In diesem Sinne: Raus aus den Federn, es kommt auf uns alle an! Der EuroMayDay ist eine offene Parade – alle sind eingeladen, ihre Prekarisierungserfahrungen, Aneignungskämpfe, Ideen und Forderungen einzubringen. Ob mit Kostümen, Schildern, Tänzen, Musik oder anderem ist jedem und jeder selbst überlassen!

Der EuroMayDay startet am 1. Mai 2010 um 15 Uhr in Dortmund am Hauptbahnhof Nordausgang.


Falls ihr den Aufruf als Gruppe oder Einzelperson unterstützen wollt, schreibt uns eine E-Mail.

die 43 Unterstützer_innen-Gruppen (Stand 28.4.2010):

AG Bildungsstreik Bochum | AG Bildungsstreik Duisburg-Essen | AG Kritische Kulturhauptstadt | alternative liste Bochum | Antifa Medienzentrum Dortmund | Antifaschistische Linke Münster | Antifaschistische Union Dortmund | Antinationale Antifa Dortmund | ASJ Herne/Recklinghausen | AStA Ruhr-Uni Bochum | Attac Bochum | attac campus bochum | Bochumer Sozialforum | der_notstand Bochum | FAU Dortmund | FAU Münster | FAU Bielefeld | FAU Essen | FAU Moers | Forum gegen Rassismus Campus Dortmund | Freiraumtanz Bochum | GEW LASS NRW | Globalibre | Hoodstock | INURA-Ruhr | Kultur- und Initiativenhaus Langer August | KulturHaus Taranta Babu | Kunterbunt e.V. | Kulturzentrum Bahnhof Langendreer Bochum | LabourNet Germany | Land for Free | Libertäre Medienmesse 2010 | lippe*alternativ | Radio El Zapote – Autonome Kultur- und Konzertgruppe Bochum | Rattenloch Schwerte | Soziales Zentrum Bochum | Sozialforum Dortmund | Theater Metropol Dortmund | Transnationales Aktionsbündnis | Unabhängige Sozialberatung Bochum | Unrast Verlag | ver.di Jugend NRW | ver.di Jugend Südwestfalen

Einzelpersonen:

  • Rainer Marquardt (Dortmund, ver.di Mitglied)

call in english:

Got well paid work? Can you live with it? Got free time? What can you afford? Do you lead a self-determined life? What are your dreams? What about your future, and growing older?

Enough is enough! Let’s face the good things in life – without fear and insecurity, without exploitation and oppression – here and everywhere! Euromayday Dortmund is an invitation to everyone to join a parade through Dortmund Nordstadt – to think and act, to fight and party together!

Regardless of whether we work as artists, cleaners, as DJs while studying, or exploit ourselves as self-entrepreneurs, we all have one thing in common: social inequality and insecurity. We want to transform these >negative commons< into > >positive commons< and promote the right to a good life. Euromayday Dortmund calls for action to make the >public commons< swing and dance!

We aim to resist the impertinence of this life and want to live out our dreams and desires on the streets of Dortmund on May 1st. Euromayday is a parade open for everybody. Everybody is invited to join and dance, exchange ideas and experiences, and unite together in the fight!

Euromayday starts May 1st 2010 // 15 Uhr // Dortmund Hbf (North Exit)
more info (in german): euromayday.noblogs.org


appel en français:

As-tu du travail? Peux-tu vivre de ce que tu gagnes? Quoi peux-tu payer? Peux-tu vivre ta vie selon tes idées? Qu’est que tu désires? Qu’est que tu va faire quand tu es vieux?

Nous en avons assez! Pour une vie belle – sans peur et précarisation, ici et partout!
L’Euro-Mayday c’est une invitation à agir ensemble, à battre ensemble, à fêter ensemble!

N’importe si nous travaillons comme des artistes ou des agents d’entretien,
si nous sommes ménacés du licenciement ou si nous sommes déjà au chômage,
si nous étudions et travaillons comme disc-jockey en outre ou si nous sommes des ‘nouveaux’ petits entrepreneurs – l’absence de securité et des garanties concerne chaqu’un et chaqu’une de nous.
Convertons ce point commun négatif en quelque chose positive: en droit à une vie belle!
L’Euro-Mayday c’est une invitation de faire vibrer et danser ce point commun.
Nous voulons opposer nos désirs et nos revendications aux demandes inacceptables de notre vie quotidienne et faire une grande fête dans la rue.

Tous sommes invités de se joindre et d’exprimer leurs experiences, leurs luttes et idées – par la danse, la musique, le déguisement.

L’Euro-Mayday commence le 1. Mai 2010 à 15 heures à Dortmund Haupbahnhof (gare central), sortie du nord.
Plus d’information: euromayday.noblogs.org


Türk çağır:

Para kazandığın bir işin var mı?
Kazandığın parayla kendini geçindirebiliyor musun?
Boş zamanın var mı?
Gücün nasıl bir hayat sürdürmeye yetiyor?
Yaşamını kendin şekillendirebiliyor (belirleyebiliyor) musun?
Ne arzu ediyorsun?
Yaşlanınca ne yapacaksın?

Biz artık bıktık usandık! Artık güzel hayat gelsin , buraya ve her yere – korkusuz ve güvenli, ezmeyen ve ezilmeyen ve sömürüsüz!

EuroMayDay , başkalarıyla ortaklaşa hareket etmek , mücadele etmek ve eğlenmek için, bir davettir. Kadın sanatçı olarak veya temizlikçi kadın olarak çalışsak çalışmasak da; Şu anda işsiz veya işyerinin kapanmasından dolayı acil işsizlik tehdidi altında olsak olmsak da; Yüksek öğrenimimiz yanı sıra DJ olarak yollara düşsek düşmesek veya yeni serbest çalışan biri olarak kendi girişimci kişiliğimizi önümüz sıra sürüklesek sürüklemesek de; Güvenlik ve garantimizin eksik olması hepimizin ortak tarafı. Bu negatif (olumsuz) ortak yanımızı, pozitif (olumlu) bir ortak yanımıza, iyi bir hayat hakkına dönüştürmek istiyoruz. Bu pozitif (olumlu) ortak yanımızı titretmek, salındırmak ve dans ettirmek için, EuroMayDay hepinize bir çağırıdır. Hayatımızın çilelerinin (zorluklarının) karşısına, istek ve dileklerimizi koyup, büyük bir sokak şenligi (parti) kutlamak istiyoruz.

EuroMayDay, (herkese) açık bir şenlik törenidir. Herkesi, tecrübelerini (deneyimlerini), mücadelelerini ve fikirlerini bu işe katmaya – kostümleriyle, danslarıyla, müziğiyle ….-, bu şenliğe katılmaya davet ediyoruz!

EuroMayDay 1 Mayıs 2010 günü Dortmun`da, Hauptbahnhof Nordausgang`da ( Ana Tren İstasyonu Kuzey Çıkışında) saat 15.00 te başlayacak.
Daha fazla bilgi için euromayday.noblogs.org internet adresini arayın.


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